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Sommer-Open – Nachbetrachtung

Großmeister Andrey Orlov gewinnt das Sommer-Open Baden-Baden
Bronze im B-Open für Marvin Mamerow, dem 16-jährigen Shootingstar aus Baden-Badener

Das fünftägige internationale Schach-Open in Baden-Baden wurde den gehobenen Ansprüchen des Kulturhauses LA8 gerecht. Gleich 214 Spieler und Spielerinnen kämpften vom 11.-15. August 2010 im Kristallsaal, im Spiegelsaal und in der angrenzenden Museumspädagogik des Museums für Kunst und Technik des 19. Jahrhunderts. Das eigentliche Schachzentrum in der Lichtentaler Allee diente der Erholung und Analyse. 

Im Feld waren neben Spielern aus der ganzen Bundesrepublik auch 35 Spieler aus 14 weiteren Ländern, von Frankreich über Spanien, Russland bis Turkmenistan und Kuba. Recht vielsprachig war da auch der Anspruch an die Turnierleitung und die Schiedsrichter um Mostafa Muschtaki und Markus Keller vom Schachzentrum Baden-Baden, die von Aktiven der OSG Baden-Baden unterstützt wurden.

Lediglich mit 200 Spielern hatten die beiden gerechnet und mussten deshalb bereits eine Woche vor dem Turnier die Registrierung stoppen. Letztlich wurden es 214, da es sich einige Sportler nicht nehmen ließen, noch vor Ort um einen Startplatz nachzufragen. Auch dieses Problem – die beiden Säle fassen genau 200 Schachspieler – wurde gelöst. Barbara Wagner, Kuratorin des angrenzenden Museums, stellte kurzfristig die Museumspädagogik zur Verfügung – und freute sich über die internationalen Gäste, die auch die laufende Ägypten-Ausstellung besuchten. 

Mit der Durchführung des Sommer-Opens knüpft das Schachzentrum an die lange Tradition internationaler Schachturniere an, deren Anfang das Meisterturnier 1870 nahm. Durch die Umbaumaßnahmen in LA8, dem früheren Stammhaus des Internationalen Clubs (Reiterliche Vereinigung), kam das Turniergeschehen in den letzten Jahren zum Ruhen, bevor nun auch wieder größere Veranstaltungen durchgeführt werden. 

In der fünften und sechsten Runde des mit 153 Spielern gut gefüllten A-Opens glaubten die Kiebitze bereits, dass sich die sechs anwesenden Großmeister die Preise teilen wollten. So lagen in der letzten Runde sechs Spieler gleichauf – Siege mussten über die Treppchenplätze entscheiden, da in Baden-Baden die Preise nicht geteilt werden. Dicht umringt waren dann auch die drei Spitzenbretter mit den Partien GM Maxim Turov gegen GM Felix Levin, dem bis dahin Führenden, mit IM Frank Zeller gegen GM Andrey Orlov und IM Maarten Solleveld gegen GM Mesgen Amanov, deren Partien in die Nachspielzeit gingen. Bereits einen halben Punkt zurück lagen die beiden weiteren Großmeister des Feldes Sebastian Siebrecht und Viesturs Meijers. Amanov verlor, Orlov und Turov holten die vollen Punkte. Nach Feinwertung gewann Orlov vor Turov und Solleveld mit jeweils 6 Punkten. Bester Deutscher wurde FM Ralf Müller mit einem halben Punkt Rückstand auf dem vierten Platz, Siebrecht wurde Sechster.

Für die badischen Spieler verlief das Turnier durchwachsen. Lediglich FM Christoph Pfrommer und FM Wolfgang Schmid kamen mit 5 Punkten unter die TOP-20. Nationalspielerin Julia Bochis und Bundeskaderspieler Slavik Sarchisov – beide noch Jugendliche – von der OSG Baden-Baden blieben mit 4 Punkten deutlich unter ihren kürzlich erzielten Leistungen.

Das auf eine Spielstärke von DWZ 1700 begrenzte B-Open wurde Beute von Gerda Strate aus Berlin-Charlottenburg, die bereits vor der Schlussrunde mit einem ganzen Zähler Vorsprung das 61-köpfige Feld anführte und mit einem Remis gegen Ishak Taube aus Heidelberg in der letzten Runde nichts mehr anbrennen ließ. Der 16-jährige Marvin Mamerow von der OSG Baden-Baden legte einen atemberaubenden Schlussspurt hin, gewann die letzten drei Partien und wurde mit einem halben Punkt Rückstand mit 5,5 Punkten Dritter hinter dem Sankt Petersburger Alexey Prutuvoy. Die Baden-Badenerin Isabel Steimbach landete mit 4,5 Punkten als zweitbeste Spielerin auf dem 12. Rang. 

Am Freitagnachmittag kamen 58 Teilnehmer zum Chess960-Schnellschach. In dieser Variante des Schachs wird die Figuren-Aufstellung in der Startposition ausgelost. Der frühere Weltmeister Bobby Fischer förderte das auch „Fischer-Schach“ genannte Spiel, das seit letztem Jahr vom Weltschachbund als offizielle Spielart anerkannt ist. Es gibt 960 verschiedene Möglichkeiten für die Anfangsstellung, Position 518 ist die des „normalen“ Schachs.

Auch beim Chess960 landeten die Meisterspieler an der Spitze. Großmeister Sebastian Siebrecht errang den Sieg punktgleich mit GM Maxim Turov und GM Mesgen Amanov. Beste Spielerin wurde mit einem halben Punkt Rückstand Inna Orlova, bester Jugendlicher wurde Johannes Carow. Velimir Kresovic aus Kuppenheim kam auf den 11. Platz, Dorothea Dohmann aus Baden-Baden auf den 22. Zum Turnier war auch eine Delegation der Chesstigers angereist. Der Vorsitzende Hans-Walter Schmitt richtet in Mainz regelmäßig die Chess960-Weltmeisterschaft aus. Für die Statistiker: Gespielt wurden die Positionen 19, 898, 142, 699 und 512. 

Bereits am kommenden Wochenende steht für das Team um Markus Keller schon ein weiteres Schachturnier auf dem Programm. Im Schachzentrum findet dann ein Jugend-Quartalsturnier statt, für Vereinsspieler und solche, die in Schulschach-AGs spielen. Beginn ist am Samstag, den 21. August um 10 Uhr. 

Herzlichen Dank an das Organisationsteam mit Turnierdirektor Mostafa Muschtaki, den Turnierleitern Bernd Emmelmann, Irene Steimbach, Karl Wörner, Hauptschiedsrichter Markus Keller und die Schiedsrichter RSR Michael Ihle und TL Leo Katz, an die Fotographen Christian Bossert, Dorothea Dohmann und Eduard Fromberg, an die aktiven Vorstandsmitglieder der OSG Gerhard Eckarth, Jens Thieleke und Patrick Bittner und an die stets helfenden Hände und Köpfe von Julia Bossert, Lukas Fiderer, Marcos Gonzales, Marvin Mamerow, Franz Mayer und Albert Oberle. (Markus Keller)

Die Tabellen:

Open A – Endstand (Platzierung, Startranglistenplatz, Name, Nationale Wertungszahl, Internationale Wertungszahl ELO, Land, Punktzahl, Feinwertung Buchholz) 

Rg.

SNr

 

Name

NWZ

ELO

FED

Pkte

BH

1

2

GM

Orlov Andrey

0

2502

RUS

6

29½

2

1

GM

Turov Maxim

0

2628

RUS

6

28

3

3

IM

Solleveld Maarten

2485

2489

NED

6

27

4

9

FM

Müller Ralf

2366

2420

GER

29

5

8

IM

Chernov Vadim

2378

2434

ROU

28

6

10

GM

Siebrecht Sebastian

2398

2417

GER

27½

7

5

GM

Meijers Viesturs

2463

2474

LAT

26

8

4

GM

Amanov Mesgen

0

2486

TKM

5

30½

9

6

GM

Levin Felix

2435

2472

GER

5

30

10

16

FM

Pfrommer Christoph

2313

2335

GER

5

28

11

7

IM

Zeller Frank

2400

2443

GER

5

27½

 

13

IM

Donchenko Anatoly

2286

2378

GER

5

27½

 

15

FM

Geske Julian

2350

2348

GER

5

27½

 

26

 

Rosner Jonas

2193

2182

GER

5

27½

15

12

IM

Turova Irina

0

2394

RUS

5

27

16

19

 

Rupp Markus

2238

2289

GER

5

26½

17

27

 

Donchenko Alexander

2198

2174

GER

5

26

18

30

 

Kuznetsov Volodymyr

0

2166

UKR

5

25

19

22

FM

Schmid Wolfgang

2213

2244

GER

5

24½

Endstand A-Open (vollständige Tabelle) 

Open B – Endstand (Platzierung, Startranglistenplatz, Name, Nationale Wertungszahl, Internationale Wertungszahl ELO, Land, Punktzahl, Feinwertung Buchholz) 

Rg.

SNr

Name

NWZ

ELO

FED

Pkte

BH

1

3

Strate Gerda

1680

0

GER

6

27

2

62

Prutovoy Alexey

0

0

RUS

28½

3

19

Mamerow Marvin Stephan

1533

0

GER

23½

4

14

Oberst Janosch

1583

0

GER

23

5

29

Roth Max

1457

1546

GER

5

30

6

1

Weber Uwe

1688

0

GER

5

27

7

18

Würfel Horst

1537

0

GER

5

25

8

12

Taube Ishak

1615

1887

GER

5

24½

9

2

Djemai Djamel

1680

0

FRA

29

10

4

Bauer Jan

1651

0

GER

25

 

22

Dietrich Walter

1510

0

GER

25

12

13

Steimbach Isabel

1584

1556

GER

24

13

17

Fimmers Heinrich

1553

0

GER

22½

 Chess960 – Endstand (Platzierung, Startranglistenplatz, Name, Turnier-Wertungszahl, Nationale Wertungszahl, Chess960-Wertung IPS, Land, Punktzahl, Feinwertung Buchholz)

 

 

Rg.

SNr

 

Name

TWZ

EloN

IPS

FED

Pkte

BH

1

7

GM

Siebrecht Sebastian

2421

2398

2421

GER

15

2

1

GM

Turov Maxim

2628

2628

0

RUS

14½

3

4

GM

Amanov Mesgen

2486

2486

0

TKM

10½

4

2

IM

Ekström Roland

2505

2506

2505

SUI

4

15

5

6

GM

Orlov Andrey

2448

2488

2448

RUS

4

14

6

12

 

Wind Lutz

2156

2080

2156

GER

4

12½

 

28

 

Orlova Inna

1881

1881

0

ITA

4

12½

8

17

 

Carow Johannes

2057

2092

2057

GER

4

11½

9

3

GM

Meijers Viesturs

2492

2463

2492

LAT

15

10

29

 

Ruff Maximilian

1837

1837

0

GER

13

11

11

 

Kresovic Velimir

2166

2166

0

GER

12½

12

20

 

Gnirk Torsten

1995

1966

1995

GER

12

13

18

 

Kracke Moritz

2053

2053

0

GER

10½

 

 

 

Endstand Chess960-Open (Vollständige Tabelle)