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Großmeister Vovk gewinnt das Sommer-Open

Reinhold Becker holt Gold im B-Turnier

Das fünftägige internationale Schach-Open in Baden-Baden wurde den gehobenen Ansprüchen des Kulturhauses LA8 gerecht. In der dritten Auflage in Folge kamen 189 Spieler und Spielerinnen in den Kristallsaal und den Spiegelsaal des Kulturhauses LA8 in der Lichtentaler Allee. Im Feld waren neben Spielern aus der ganzen Bundesrepublik auch 26 Spieler aus 11 weiteren Ländern, von Frankreich über Finnland, Russland bis Singapur. Recht vielsprachig war da auch der Anspruch an die Turnierleitung und die Schiedsrichter um Mostafa Muschtaki und Markus Keller vom Schachzentrum Baden-Baden, die von Aktiven der OSG Baden-Baden und dem Schweizer FIDE-Schiedsrichter Michael Hein unterstützt wurden.  (Markus Keller)

Alle Zwischenstände, Auslosungen und Endstand des A-Opens
Alle Zwischenstände, Auslosungen und Endstand des B-Opens
Alle Zwischenstände und Endstand des Chess960-Opens
Bilder (Fotos von Michael Hein, Wolfgang Appel und Markus Keller)

(Anmerkung: Die DWZ-Auswertung gibt es erst Ende August. Der Deutsche Schachbund hat seine Auswertungsroutinen umgestellt. Hier kommt es derzeit noch zu Problemen. )

Da die Bestuhlung bewusst auf circa 180 Spieler begrenzt wurde, mussten die Veranstalter bereits eine Woche vor dem Turnier die Registrierung stoppen. Letztlich wurden es 189, da es sich einige Sportler nicht nehmen ließen, noch vor Ort um einen Startplatz nachzufragen. 

Mit der Durchführung des Sommer-Opens knüpft das Schachzentrum an die lange Tradition internationaler Schachturniere an, deren Anfang das erste Meisterturnier auf deutschem Boden 1870 nahm. Durch die Umbaumaßnahmen in LA8, dem früheren Stammhaus des Internationalen Clubs von Baden-Baden, kam das Turniergeschehen in den letzten Jahren zum Ruhen, bevor nun seit 2010 wieder größere Veranstaltungen durchgeführt werden. 

In der fünften und sechsten Runde des mit 126 Spielern gut gefüllten A-Opens glaubten die Kiebitze bereits, dass sich die vier anwesenden Großmeister die Preise teilen wollten. So lagen vor der letzten Runde die Großmeister Vadim Malakhatko (Belgien) und Andriy Vovk (Ukraine) mit 5,5 Punkten gleichauf, vor einem Fünferfeld, das von den Großmeistern Rainer Buhmann (Hockenheim) und Felix Levin (Mülheim) angeführt wurde. Siege mussten über die Treppchenplätze entscheiden, in Baden-Baden werden die Preise nicht geteilt. 

Nach einem schnellen Remis von Malakhatko und Levin – sie spielen in der Schachbundesliga für den gleichen Verein – musste die Partie zwischen Buhmann und Vovk den Sieger des Turniers ermitteln. Entsprechend viel Publikum war in der Zeitnotphase am ersten Brett. Am dritten Brett kämpften auch Dennis Wagner und der Internationale Meister Frank Zeller um die Medaillen. Der 15-jährige Jugendnationalspieler Wagner, der Anfang September vom Weltschachbund FIDE ebenfalls den Titel „Internationaler Meister“, die zweithöchste Kategorie, erhält, spielt im November die Jugendweltmeisterschaft, mit Chancen auf eine Medaille. Ab der kommenden Saison spielt er für den Bundesligisten SV Hockenheim. 

Letztlich konnte Vovk den Mannschafts-Europameister Buhmann besiegen, ebenso wie Wagner den Schwäbisch Gmünder Zeller. 

Somit gewann Vovk mit 6,5 Punkten das Turnier, einen halben Zähler vor Malakhatko und Wagner. Vierter wurde Levin, Fünfter der deutsche U16-Meister Johannes Carow (Heidesheim). Rainer Buhmann landete noch hinter Daniel Howard Fernandez aus Singapur auf dem sechsten Rang. Fernandez nimmt Ende des Monats für Singapur an der Schach-Olympiade teil.

Für die mittelbadischen Spieler verlief das Turnier durchwachsen. Nur Dominik Bohnert (Sasbach) glänzte mit 5 Punkten auf dem elften Rang. Auf je vier Punkte kamen Stefan Sußmann (Sasbach) und der Baden-Badener Stadtmeister Marvin Mamerow. Bester Senior wurde FIDE-Meister Konstantin Kunz (Kitzingen), beste Dame Ekaterina Kirsanova (Moskau). Weit über seiner Startranglistenplatzierung (Nr. 103) endete der 11-jährige Julian Martin (OSG Baden-Baden) auf dem 45. Platz. 

Das auf eine Spielstärke von DWZ 1700 begrenzte B-Open wurde Beute von Reinhold Becker von der OSG Baden-Baden. Becker, Vater zweier ebenfalls beim Turnier aktiver Kinder, ließ in der letzten Runde nichts anbrennen und holte zu den fünf Siegen sein zweites Remis. Auf Platz zwei kam Klaus Künitz (Mainz), Dritter wurde Klaus Schwarz (Heilbronn-Biberach) knapp vor Egon Schultheisz (SSG Fils-Lauter). Die 11-jährige Juliette Guerin (Frankreich) holte sich mit dem 6. Rang nicht nur den Damenpreis, sie gewann auch die Jugend- und die Schülerkategorie. 

Bei der Siegerehrung durch die Markus Keller und Irene Steimbach (2. Vorsitzende Schachzentrum) führten, bedankte sich Gerhard Eckarth (2. Vorsitzender OSG Baden-Baden) bei den Organisatoren und auch den vielen Helfern, insbesondere bei Petra Jurga, Michael Ihle (Hauptschiedsrichter Spiegelsaal), Karl Wörner, Bernd Emmelmann, Irene Steimbach, Mostafa Muschtaki und Markus Keller.

Am Mittwochnachmittag kamen 32 Teilnehmer zum Chess960-Schnellschach. In dieser Variante des Schachs wird die Figuren-Aufstellung für die Startposition ausgelost. Der frühere Weltmeister Bobby Fischer förderte das auch „Fischer-Schach“ genannte Spiel, das seit 2009 vom Weltschachbund als offizielle Spielart anerkannt ist. Es gibt 960 verschiedene Möglichkeiten für die Anfangsstellung, Position 518 ist die des „normalen“ Schachs. 

Auch beim Chess960-Schach landete Großmeister Andriy Vovk an der Spitze, punktgleich mit dem Johannes Carow. Dessen Schwester Annelen Carow wurde beste Dame.